Dach

Dachziegel reinigen: Ton, Beton und Schiefer im Vergleich

Tonziegel, Betondachstein und Schiefer reagieren völlig unterschiedlich auf Reinigung. Welches Verfahren zu welchem Material passt und warum Hochdruck oft mehr schadet als nutzt.

Aktualisiert am 9.8.20267 Min. LesezeitFachredaktion Skyvex

Bei der Dachreinigung wird meist über Moos und Preis gesprochen, selten über das Material. Dabei entscheidet genau das darüber, welches Verfahren zulässig ist. Dieser Ratgeber geht die drei häufigsten Dacheindeckungen durch und beschreibt, worauf es jeweils ankommt.

Tonziegel: gebrannt, aber nicht unempfindlich

Tonziegel sind durchgefärbt – ihre Farbe entsteht beim Brennen, nicht durch eine Beschichtung. Das macht sie gegenüber Reinigung vergleichsweise robust: Es gibt keine Oberflächenschicht, die abgetragen werden könnte.

Das Risiko liegt woanders. Ältere Ziegel können durch Frostzyklen bereits vorgeschädigt sein, und ein zu harter Strahl sprengt dann Kanten ab oder löst Ziegel aus der Verfalzung. Engobierte und glasierte Tonziegel haben zudem sehr wohl eine Oberflächenschicht – bei ihnen gilt dasselbe wie beim Betondachstein.

Betondachstein: die Beschichtung ist das Bauteil

Betondachsteine sind nicht durchgefärbt. Ihre Farbe und ihre Wasserabweisung kommen von einer aufgebrachten Oberflächenbeschichtung. Diese Schicht ist dünn und altert ohnehin über die Jahre.

Wird sie mit Hochdruck abgetragen – und das passiert schnell –, ist das Ergebnis paradox: Das Dach sieht direkt nach der Reinigung sauber aus, nimmt aber deutlich mehr Wasser auf als vorher. Der Bewuchs kommt schneller zurück als er ohne Reinigung gekommen wäre. Deshalb wird bei Betondachsteinen nach der Reinigung häufig eine Beschichtung empfohlen – sie ersetzt, was abgetragen wurde.

Für die Praxis heißt das: Bei Betondachsteinen ist die richtige Reihenfolge Vorbehandlung, Einwirkzeit, niedriger Druck. Nicht: hoher Druck ohne Vorbehandlung.

Schiefer und Naturstein: nur nach Prüfung

Schieferdeckungen sind mechanisch empfindlich und meist mit Haken oder Nägeln befestigt, die selbst korrodiert sein können. Ein Wasserstrahl kann einzelne Platten lösen, ohne dass es sofort auffällt.

Bei denkmalgeschützten Objekten kommt hinzu, dass Reinigungsverfahren und Mittel abgestimmt werden müssen. Hier ist eine Probefläche der Standard, nicht die Ausnahme.

Blech, Bitumen und Gründach

Metalldeckungen sind unproblematisch, solange die Beschichtung intakt ist – kritisch sind Falze und Anschlüsse, in die Wasser gedrückt werden kann.

Bitumen- und Flachdächer werden nicht mit Druck bearbeitet, sondern schonend abgetragen und gespült; die Dachhaut darf nicht verletzt werden. Gründächer werden nicht gereinigt, sondern gepflegt – dort geht es um Bewuchskontrolle und freie Abläufe, nicht um Sauberkeit.

Was Sie vor der Anfrage klären sollten

Ein Anbieter, der Ihnen ein Verfahren nennt, ohne das Material zu kennen, arbeitet auf Verdacht. Sinnvoll ist deshalb, vor der Anfrage drei Dinge festzuhalten.

  • Material und ungefähres Alter der Eindeckung
  • ob die Ziegel engobiert, glasiert oder unbeschichtet sind
  • bekannte Vorschäden: gerissene Ziegel, verrutschte Reihen, undichte Stellen
  • ob das Dach schon einmal gereinigt oder beschichtet wurde
  • Fotos aus der Distanz und eine Nahaufnahme der Oberfläche

Material prüfen lassen, dann reinigen

Wir bestimmen Eindeckung und Zustand vor dem Angebot und stimmen Druck und Verfahren darauf ab.

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